Überraschung!

by nitramred on April 1, 2012

Immer für eine Überraschung gut: Ein Ballettabend in Stuttgart

Vor noch nicht mal einem Jahr habe ich an dieser Stelle über meine ersten Erfahrungen mit der Kunstform Ballett geschrieben. Da ist es doch an der Zeit für ein Update. Denn mittlerweile habe ich insgesamt fünf Ballettabende in Stuttgart erlebt und bin jedes Mal aufs Neue überrascht worden. Von den Themen, der Art der Umsetzung, den Fähigkeiten der Tänzerinnen und Tänzer. Und bin selbst noch erstaunt darüber, wie gespannt und voller Vorfreude ich bei jeder Aufführung auf die jeweilige neue “Überraschung” war.
Rückblickend war der Weg, den ich durch die Vielfalt des Ballettkosmos genommen habe, glücklich gewählt. Nach dem bezaubernden Stück “Leonce und Lena”, das den Anfang machte, sah ich zwei “klassische” Cranko-Inszenierungen: “Romeo und Julia” sowie Der Widerspenstigen Zähmung. Wie ich in dem vorangegangen Post geschrieben habe, waren das aber keineswegs abgehangene Repertoirestücke aus der Mottenkiste, sondern wirkten so leicht und unangestrengt, dass sie wirklich als zeitlos beschrieben werden können. Und lustig. Gerade Shakespeares Liebeskomödie “Der Widerspenstigen Zähmung” barg in der Umsetzung durch das Stuttgarter Ballett unglaublich viel nonverbalen Humor und Spaß. Das waren wahrlich moderne Handlungsballette, basierend auf einer klassischen Vorlage und vermutlich in der Art der Inszenierung für viele Ballettbesucher Stücke mit unkompliziertem Zugang: Stilechte und dennoch nicht altbacken wirkende Kostüme, prächtige Bühnenbauten, große Szenen mit dem gesamten Corps. Wem im Musical schon immer die gewaltigen Ensembleszenen am Besten gefallen haben, wird hier in seinem Element gewesen sein. Und bekam doch so viele zusätzliche Einfälle präsentiert, die – im Gegensatz zum Musical – ohne technische Tricks auskamen, sondern allein auf dem Können der Tänzerinnen und Tänzer und den Einfällen des Choreographen beruhten.
Dann in diesem Jahr zunächst das Abschiedsstück von Christian Spuck für Stuttgart: Eine Interpretation von E.T.A. Hoffmanns “Das Fräulein von Scuderi”. Ganz anders als “Leonce und Lena”, ganz anders als die Cranko-Stücke. Nachdem ich noch rechtzeitig zur Premiere das Buch gelesen hatte, war ich ein wenig perplex, dass im ersten Akt die Handlung quasi bis kurz vor Schluss so “durchgehastet” wurde, dazu noch mit einer Erzählerfigur. Was hätte wohl Cranko aus dem Stoff gemacht? Den Juwelenmorden, den Diebstählen in Paris, den Ermittlungen und Verhören der Chambre ardente? Dann die Akte zwei und drei: Abstrakt, meditativ, mystisch der eine, sich fiebrig auf das erlösende Ende im Wirrwarr von Versailles hindrehende der andere. Getragen jeweils von großartigen Choreographien (wobei hier rückblickend der erste Akt den Tänzern wenig Raum für die Etablierung von Figuren bot) und der mysteriösen Narration der Figur S., gespielt von Mireille Mossé. Ich gebe zu: Auch dieser Abend hat mich überrascht. Anders als die anderen davor und doch habe ich auch noch Tage später an bestimmte Gesten, Schritte und Szenen denken müssen, habe über die Interpretation des Stoffs nachgegrübelt und Verbindungen zu den Themen der Romanvorlage durchdacht. Und das ist ja nun wirklich kein schlechtes Ergebnis für ein Kunstwerk. Auch das kann Ballett also sein, verrätselt, schwer durchschaubar und dennoch künstlerisch einwandfrei umgesetzt.

Il Concertone_Friedemann Vogel_Ensemble_c Stuttgarter Ballet

Szene aus "Il Concertone" (Friedemann Vogel, Ensemble; Quelle: Stuttgarter Ballet)

Und dann die bislang letzte Überraschung: Ballett im neuen Schauspielhaus (das wohl doch noch nicht so ganz fertig zu sein scheint), Reihe 1, Mitte, Spontankauf der Karte sozusagen. Auf dem Plan stand Körpersprache3, drei Choreographen, drei Stücke. Diesmal hatte ich mich auf abstrakten Tanz eingestellt und wurde wieder “überrascht”: In den abstrakten Formen und Bewegungen sah ich zahllose kleine Geschichten, dargestellt durch erschreckend präzise Bewegungen von hinreißend perfekt tanzenden Künstlerinnen und Künstlern. Schon wieder zweieinhalb Stunden, die im Flug vergingen. Und so unterschiedlich die Handschriften der Choreographen: Marco Goeckes existenzialistisches und monochromes “Black Breath”, Edward Clugs romantisches, nie kitschiges “Ssss…” und – mein Highlight! – Mauro Bigonzettis pulsierendes, energiegelandenes, fröhliches und (ja!) überraschendes Jazz-Ballett “Il Concertone” zur fantastischen Music von Stefano Bollani waren jedes allein den Eintritt wert. Wer noch Karten bekommt, gehe rein.
Das soll’s mal wieder gewesen sein mit dem Ballettrückblick. Meine Begeisterung hält ungebrochen an und ich kann nur zu einem Ballettbesuch ermuntern. Die Überraschung ist garantieret!

Das Problem mit ACTA

by nitramred on January 23, 2012

Zugegeben: Einfach ist es nicht zu verstehen, ACTA zu verstehen. Das Anti-Produktpiraterie- und Anti-Urheberrechtsabkommen, das momentan in diversen EU-Gremien verhandelt wird, klingt zunächst unterstützenswert: Wer würde sich nicht gegen Produktfälschungen und Kreativdiebstahl aussprechen? Doch sind sowohl das Zustandekommen als auch die längerfristigen Folgen des europaweiten Abkommens zumindest fragwürdig. Hinter verschlossenen Türen wurde der Text verhandelt, das Wenige, was nach außen dringt, gibt aber Anlass zur Sorge: Müssen, sobald das Abkommen ratifiziert ist, Internet-Provider das Tun ihrer Kunden auf vermeintliche Urheberrechtsverstöße überwachen? Wie steht es um die Balance zwischen den Interessen der Rechteinhaber und der Meinungsfreiheit der EU-Bürger? Werden ärmere Länder dann noch Zugang zu kostengünstigen Generika-Medikamenten haben? Denn ACTA greift natürlich auch im Hinblick auf das “Nachmachen” von Arzneimitteln, die aber für viele Menschen oft die einzige Möglichkeit zur medizinischen Versorgung darstellen.

Wer sich selbst ein Bild über den Stand der Verhandlungen machen möchte, kann dies auf der Kampagnenseite der Digitalen Gesellschaft tun oder – im Hinblick auf den Medikamenten-Aspekt – auf der Website von Ärzte ohne Grenzen. Auf beiden Seiten gibt es auch ausführliche Informationen zu ACTA, ich empfehle besonders für den Einstieg dieses PDF.

Wer nach der Lektüre zum Schluss gekommen ist, dass das Abkommen so nicht Realität werden darf, findet auf den verlinkten Seiten auch Hinweise und Anleitungen zum “Aktionismus:. Ein Anruf bei den mitwirkenden EU-Politikern ist ein relativ einfaches Mittel, seine Bedenken an den richtigen Stellen anzubringen, dank Skype kostet der Anruf in Brüssel auch nicht wirklich viel. Die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter sind – soweit meine Erfahrung bislang reicht – nicht abweisend, hören sich die Position des Anrufers an und lassen auch schon mal durchblicken, dass man offensichtlich nicht der einzige “Aktivist” war, der sich mit dem Thema an das Abgeordneten-Büro gewendet hat.

Aber auch, wer nicht aktiv werden will, sollte zumindest wissen, was da gerade auf EU-Ebene aus der Tauf gehoben wird und sich seine Meinung dazu bilden. Denn wenn das Abkommen in die nationale Gesetzgebung einfließt, wird es erfahrungsgemäß nicht leichter, noch Einfluss auf den Inhalt zu nehmen. Und da kann man sich dann auch schon jetzt mal mit den Inhalten auseinandersetzen.

 

Nachtmusik

by nitramred on December 24, 2011

Als kleinen Weihnachtsgruß an alle da draußen habe ich diese Woche mit einer Kombination aus Gitarre, iPad (Aufnahme), iPhone (Metronom) und iMac (Mix) ein kurzes Musikvideo produziert. Schöne Erfahrung, wie das so mit GarageBand und den eingebauten Mikrofonen der iDevices funktioniert. Ist aber noch Luft nach oben, was das Setup betrifft. Und das zweistimmige Spielen. Aber jetzt erst mal: Frohe Weihnachten!

Übrigens: Der SWR zeigt heute Abend den hervorragenden Film zum Lied. Ein schöner Weihnachtsfilm für die Zeit nach der Bescherung.

Flinc: Fahr zusammen!

by nitramred on December 19, 2011

Jetzt wird geteilt!Wenn schon Die Zeit im Befehlston das selige Geben einfordert, kann man ja fast nicht anders. Zumal in der Zeit des Schenkens und der Familienzusammenkünfte. Welch schöne Gelegenheit, ein neues Soziales Netzwerk vorzustellen. Genauer: ein “Social Mobility Network”. Denn das will flinc sein. Entstanden ist “flinc” aus einer Diplomarbeit über “Dynamic Ridesharing Systems”. Gemeinsam haben ihr Autor, Michael HüblBenjamin Kirschner und weiteren Studenten nach dem Abschluss ihres Stuidums dann die Theorie in die Praxis umgesetzt.. Mit Klaus Dibbern holten sich Hübl und Kirschner dann 2009 noch Managmenterfahrung an Bord und im Juli dieses Jahres startete “flinc” in die breite Öffentlichkeit.

Die flinc-Website

Wer – wie ich auch – Anhaltern und Trampern (oftmals bestimmt grundlos) immer etwas skeptisch gegenüberstand, wird die Idee hinter “flinc” gefallen. Wer eine Autofahrt plant, stellt diese auf der Plattform ein: Wann geht’s wohin? Mitfahrer stellen ebenfalls ihre Reisewünsche online und das System versucht nun Angebot und Nachfrage in Deckung zu bringen. Bei Treffern erhält der Mitfahrer einen oder mehrere Vorschläge für potentielle Chauffeure und kann diese anfragen. Manchmal ist ein kleiner Umweg erforderlich, um den Mitreisenden aufzusammeln, aber auch das zeigt das System an. Der Fahrer wiederum kann die Anfrage annehmen oder ablehnen. Diese gegenseitige Bestätigung macht das System für mich sehr sympathisch: Man kann sich vorher anhand des Nutzerprofils anschauen, mit wem man möglicherweise bald im Auto sitzen wird. Die Anzahl der absolvierten Fahrten ist ebenso einsehbar wie die Größe des “Mobilitätsnetzwerks” (der Fahrgemeinschaft sozusagen) und die bisherigen Bewertungen des Reisepartners. Zusammen mit dem Profilbild ergibt das jetzt zwar nicht das tiefenpsychologische Profil des anderen, man kann sich aber auf jeden Fall gründlicher entscheiden als während der Fahrt mit dem Anhalter in Sichtweite. Ganz umsonst muss es auch nicht für den Fahrer sein: “flinc” schlägt einen Fahrpreis von 10 Cent pro gefahrener Minute vor, auf Wunsch kann der Fahrer aber auch einen höheren Preis zur Bedingung machen oder die Fahrt kostenlos anbieten. Kurze Absprache per Mail oder Telefon vorab und dann steht der neuen Art des Trampens nichts mehr im Weg.

Die flinc-App auf dem iPhoneSoweit die Theorie, in der Praxis konnte ich das Ganze noch nicht testen, da ich auch erst seit knapp einer Woche dabei bin – und auch schon eine Fahrt aufgrund eines zu großen Umwegs absagen musste. Das wäre vielleicht noch eine Verbesserung im Detail: Angeben zu können, wie viele Kilometer Umweg oder Minuten Zeitverlust man als Fahrer in die Mitnahme eines Mitreisenden investieren möchte. Ansonsten bietet “flinc” aber erstaunlich viel Komfort für sein noch junges Alter. Neben der hübsch gestalteten Website gibt es begleitende Apps für iOS und Adroid und über die iPhone App von Navigon (gibt’s auch in der select-Version für Telekom-Kunden) kann man “flinc” sogar mit seiner Navigationssoftware verknüpfen und somit sogar noch während der Fahrt auf Anfragen reagieren. Auch wiederkehrende Fahrten (wie die zur Arbeit oder zur Uni) kann man eintragen und hoffen, dass sich Mitfahrer finden.

Wie bei allen Sozialen Netzwerken lebt auch dieses von der Anzahl seiner Mitglieder. Ich teste das jetzt mal im Großraum Stuttgart aus und glaube, dass es in Ballungsgebieten auch zu positiven Ergebnissen führen wird. Je mehr Leute mitmachen, desto geringer die Chance, im entscheidenden Moment im wahrsten Sinn “auf der Straße zu stehen”. Schöne Idee.

A rather special night: The Rocky Horror (Picture) Show

by nitramred on September 11, 2011

Ouvertüre

Es gibt bestimmte Veranstaltungen, die etwas Einsatz verlangen. Angemessene Besuche der “Rocky Horror Show” oder des daraus abgeleiteten Films “The Rocky Horror Picture Show” gehören dazu. Nach zwei Open-Air-Vorführungen des Streifens und einem Live-Besuch der Show in diesem Sommer musste ich leider bei vielen Besuchern einen eklatanten Mangel an Vorbereitung und/oder Kenntnis des Prozederes feststellen. So geht das nicht, Leute! Für alle “virgins” da draußen gibt’s jetzt hier mal (nach einer kurzen Heranführung ans Thema) essentielle Hinweise für die Teilnahme an der Show. Stehen zwar schon bestimmt an zig anderen Stellen im Netz, aber offensichtlich noch an nicht genug. Ergänzungen und Korrekturen von erfahrenen Partygängern bitte gern in die Kommentare. Es folgt ein längerer Text. Aber er ist bitter nötig!

1. Akt: I would like – if I may – to take you on a strange journey

Eindeutig kann man die Frage, ob man völlig unbedarft ins Kino oder Theater gehen und die Musik hören sollte, wohl nicht beantworten. Es hat beides seine Vor- und Nachteile. Ich empfand es durchaus als hilfreich, den Film bereits einmal gesehen zu haben, bevor ich das erste Mal die Show live erleben konnte. Da die “Rocky Horror Show” Gott sei dank nicht wie viele (allzu viele) Musicals mehr schlecht als recht ins Deutsche übersetzt wurden, kann es nicht schaden, die Dialoge und Lyrics schon mal gehört (und gern auch via Untertitel gelesen) zu haben. Man kann sich einfach besser auf die Party und die Stimmung im Saal konzentrieren, wenn man nicht noch nebenbei mühsam versuchen muss, der Handlung zu folgen. Wobei, kompliziert ist sie ja eigentlich nicht: Brad und Janet, zwei frisch verlobte, biedere Absolventen der Denton High School, beschließen, ihren ehemaligen Lehrer, Dr. Everett (von) Scott zu besuchen. In dessen Kurs hatten sich beide kennen gelernt und als Besiegelung ihres Pakts machen sie sich in einer stürmischen Nacht auf den Weg. Doch das Auto bleibt mit einem platten Reifen unterwegs liegen. Hilfe verspricht ein Schloss in der Nähe. In der Hoffnung auf ein Telefon, mit dem sie Hilfe herbeirufen können, klopfen sie an der Tür. Empfangen werden sie von Riff Raff und seiner Schwester Magenta, Diener des Hausherren und “sweet transvestite” Frank N. Furter vom Planeten Transsexual in der Galaxie Transylvania, der just in dieser Nacht die Schöpfung seiner Kreatur Rocky vollenden will. Ungläubig wohnen die beiden zusammen mit den anderen Gästen der Geburt des Lustsklaven Rocky bei. Mitten in den feierlichen Akt platzt – erwacht aus der Kältestarre – Eddie, ehemaliger Lieferjunge, Gespiele und Hirnspender für Rocky. Begeistert empfangen von Columbia, dem neben Brad und Janet bis dato einzigen menschlichen Geschöpf in Franks Reich, dauert sein Gastspiel nur kurz: eifersüchtig ermordet Frank ihn mit einer Spitzhacke (oder einem Messer in der Live-Show). Nach so viel Action kommt es dann doch noch zur Hochzeitsnacht zwischen Frank und Rocky. Der unersättliche Frank verführt in derselben Nacht auch noch Brad und dann Janet, die wiederum später noch den von Riff Raff und Magenta verängstigten Rocky “tröstet” und sich ihrer eigenen Sexualität bewusst wird. Mitten hinein in das bunte Treiben platzt dann auch noch Dr. Scott, der neben seiner Lehrtätigkeit auch noch Alienjäger im Dienst der US-Regierung ist. Nach einem angespannten und “ungewöhnlichen” Abendessen droht Franks schön geplante Party ins Chaos abzugleiten. Er versteinert Brad, Janet, Columbia, Rocky und Dr. Scott und inszeniert mit ihnen eine laszive “Floor Show”, die in einem wilden Durcheinander der Körper und der Lust endet. Doch ein Happy End bleibt ihnen verwehrt: Riff Raff und Magenta putschen gegen Frank, sein Lebensstil sei viel zu extravagant und ausschweifend. Sie töten Columbia, Rocky und Frank, entlassen Brad, Janet und Dr. Scott in die Freiheit und verschwinden mit dem gesamten Schloss zurück nach Transsexual. Zurück bleiben die drei Menschen – allein.

Was macht nun diese durchgeknallte Story aus dem Jahr 1973 mit deutlichem B-Movie-Einschlag zu etwas, auf das der Begriff Kult passt wie selten sonst? Nachdem Richard O’Brien mit einigem Erfolg das Musical mit seinen grandiosen Rock-and-Roll-Nummern auf die Londoner Bühne des Theatre Upstairs gebracht hatte, machten er und Regisseur Jim Sherman sich 1974 an die filmische Umsetzung der Hommage an die B-Movie- und Horrorfilme, kombiniert mit einer Abrechnung an das prüde Amerika. Der Streifen mit Susan Sarandon als Janet, Barry Bostwick als Brad, Meatloaf als Eddie und natürlich Tim Curry als wohl bester Frank N. Furter, startet 1975 mit sieben Kopien, doch schon bald wurde klar, dass es sich hier um einen besonderern Film handelte: die Fans begannen, den Text auf der Leinwand mitzusprechen, zu kommentieren, verkleideten sich als Figuren auf der Leinwand und brachten Utensilien passend zum Geschehen zum Einsatz. Das Ganze funktioniert natürlich auch hervorragend bei der Live-Show und somit sind Musical und Film die mit am längsten laufenden Vertreter ihrer Gattung. Zahllose Referenzen auf die Show haben ihrerseits wieder Einzug in die Popkultur gefunden, mir in Erinnerung geblieben ist vor allem diese Szene aus dem Film “Fame”.

Das wollte ich auch mal mitmachen, seit ich es gesehen habe!

2. Akt: I see you shiver with antici- … -pation!

Genug der Vorrede: Auf zur Vorbereitung. Zuvor noch mal zur Sicherheit: Natürlich soll sich niemand gezwungen fühlen, bei einem Besuch von Film und Musical die “Kulthandlungen” zu zelebrieren. Aber es macht verdammt viel Spaß! Daher ist das Folgende für “virgins” geschrieben, die Lust bekommen haben, richtig an der Party teilzunehmen. Beim ersten (aber auch nur beim ersten!) Mal darf man zuschauen und sich inspirieren lassen: Was tragen die anderen, was für Utensilien kommen zum Einsatz, welche Sprüche werden gerufen? Das variiert von Aufführung zu Aufführung, am besten macht man sich vorher schlau, was geworfen werden darf und was nicht. Meistens gibt der Veranstalter eine Liste mit Do’s und Don’ts heraus. Die folgende Liste orientiert sich an der Proplist des Rocky Horror Picture Show Fan Clubs.

Requisiten

Mit folgenden Utensilien liegt man nie falsch und sie kommen fast immer zum Einsatz (dazu später mehr). Ich versuche auch mal Tipps zu geben, wo man was bekommt (nach einer längeren Einkaufsodyssee in diesem Jahr kann ich euch nur raten, früh mit dem Shopping zu beginnen). Mehl und Hot-dogs habe ich mal weggelassen. Wer mag, darf aber gerne.

  • Ungekochter Reis (alternativ: Konfetti): Reis im Supermarkt, Konfetti im Drogeriemarkt oder im Partyversand (da gibt’s auf Amazon diverse Shops)
  • Zeitung: aus dem Altpapier
  • Wasserpistole: Drogerie- oder Spielzeugladen
  • Feuerzeug, Wunderkerze oder Knicklicht (Muscial: Knicklicht empfohlen): Drogeriemarkt, Spielzeugladen, Partyversand
  • Rosa oder rote Gummihandschuhe: Drogeriemarkt
  • Tröte oder Ratsche: Spielzeugladen oder Drogeriemarkt
  • Toilettenpapier: Drogeriemarkt
  • Ungetoasteter Toast: Supermarkt
  • Partyhut: Spielzeugladen, Drogeriemarkt oder Partyversand
  • Glöckchen: Spielzeugladen oder Weihnachtsschublade
  • Kartenspiel: Spielzeugladen oder Drogeriemarkt

Kostüm und Maske

Ganz wichtig: es geht trotz der freizügigen Kostüme nicht ums billige Befriedigen voyeuristischen Reize. Vielmehr um Spaß am Verrückten, dem Nicht-Alltäglichen und des Bizarren. Und da kann man nur schwer Empfehlungen geben, außer: Film und Show geben eine gute Orientierung ab. Netzstrümpfe und -handschuhe, Korsagen, Strapse, Ohrringe, Ketten, Dessous – worin immer man sich wohl fühlt, darf getragen werden. Das Gleiche gilt für die Maske: Gefärbte Haare, schaurig bleich geschminktes Gesicht (Clownsschminke, nicht zu dick) Mascara, Kajal, schwarzer Lippenstift und Nagellack oder verrucht mit rotem Lippenstift und blauem Lidschatten: Hauptsache verführerisch und ein bisschen gruselig. Es erfordert zwar etwas Mut, aber sobald man am Veranstaltungsort ist, ist einem die Anerkennung oder zumindest der Respekt der anderen Besucher sicher: Mühe und Kreativität wird honoriert und bestaunt. Mir ist es wirklich noch nie passiert, dass ich “dumm angemacht” wurde aufgrund der Verkleidung. Ich wurde sogar mal gefragt, ob ich noch Schminke hätte. Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass es z.B. schwarzen Lippenstift nicht ganzjährig im Drogeriemarkt gibt. Entweder online bestellen oder an den einschlägigen Festen (Karneval, Silvester etc.) damit eindecken. Und Zeit einplanen für die Maskerade!

3. Akt: Let’s do the Time Warp again!

Showtime. Alles dabei und schön verkleidet? Prima, dann kann’s losgehen. Es folgt eine Aufzählung Stellen, an denen Aktivität vom Publikum erforderlich ist. Je mehr mitmachen, umso lustiger. Aber manchmal kann auch ein einzelner Rufer den Saal zum Lachen bringen. Im Netz kursieren zahlreiche Skripte, die nahezu jeden Satz im Film mit Kommentaren begleiten. So exzessiv muss es gar nicht sein, aber über mehr kreative Einfälle würde ich mich z.B. freuen.

Generelles

Es gibt vier Namen in der Show, deren Nennung man mit dem dazu passenden Kommentar begleiten darf. Beim Erzähler reicht das bloße Erscheinen.

  • Brad: “Asshole!”
  • Janet (Weiss): “WeiSSSSSSS!”
  • Dr. Scott: “Uh!”
  • Eddie: “Shh!”
  • Erzähler tritt auf: “Boring” oder “Langweilig!”

Zeitlicher Ablauf

  • Hochzeit von Ralph und Betty: Reis oder Konfetti werfen.
  • Autopanne: Zeitgleich mit Brad auf die Sitzlehne schlagen (“Damn it!”)
  • Direkt im Anschluss bei Brads Feststellung: “I should have gotten that spare tire fixed!”): “Asshole!”
  • Brad und Janet steigen aus dem Auto und gehen zum Schloss: Zeitung wie Janet auf den Kopf setzen, mit der Wasserpistole den Regen simulieren.
  • Song “Over at the Frankenstein Place”: Beim Einsetzen des Refrains “There’ a light!” die Wunderkerzen, Feuerzeuge oder Knicklichter erstrahlen lassen.
  • Song “Time Warp”: Mittanzen! Auch gern die Arme mit dem Gegenüber nach oben führen wie Magenta und Riff Raff. Die Tanzschritte ergeben sich nach den Anweisungen des Erzählers bzw. den Schritten der Akteure. Jump to the left – Step to the right – Hands on your hips – Bring your knees in tight – Pelvic thrust (Sprung nach links – Schritt mit dem rechten Beinen nach rechts – Hände an die Hüften – Knie zusammendrücken – Becken stoßen und kreisen)
  • Song “Sweet Transvestite”: Wenn Frank am Ende “anticipation” sagt, macht er eine Pause zwischen “antici” und “pation”. In diese Pause laut “Say it!” rufen.
  • Schöpfungsrede: Wenn Frank mit seinem Gummihandschuh schnipst, wird das jedes Mal mit dem eigenen Handschuh begleitet. Den Applaus der Gäste auf der Leinwand mit Klatschen, Ratschen und Tröten unterstützen
  • Song “The Sword of Damocles”: Wenn Rocky von seinen Bandagen befreit wird, die Toilettenpapierrollen durch den Saal fliegen lassen
  • Hochzeitsmarsch von Frank und Rocky: Konfetti werfen, Tröte tröte, Ratsche ratschen
  • Dinnerszene: Wenn Frank “A toast!” ruft, die Toastscheiben werfen. Wenn Frank seinen Partyhut aufsetzt, das Gleiche tun und mit ihm und den Tafelgästen “Happy Birthday” singen
  • Song “Planet Schmanet Janet”: Während Frank Janet verfolgt singt er einmal “Do you hear a bell ring?”. Jetzt mit der eigenen Glocke oder dem Schlüsselbund klingeln
  • Während der Medusa-Szene, in der nach und nach alle in Stein verwandelt oder betäubt werden, sagt Frank “It’s not easy having a good time”. Als Antwort rufen: “Try Disneylandworld!”
  • Song “I’m Going Home”: Während Frank in der zweiten Strophe die Zeile “Cards for sorrow, cards for pain” singt, die Spielkarten in den Saal regnen lassen

Das wär’s. Natürlich gibt’s noch viele weitere Aktionen und Rufe, aber das erschienen mir die gängigsten. Und sie fordern einen nicht in dem Maß, dass man gar nicht mehr aktiv auf das Geschehen achten kann. Eine gute Mischung aus Spaß und Nervfaktor für die anderen sozusagen.

Zugabe: The Floor Show

Und wo kann man nun das Gelernte einsetzen? Zur Zeit tourt noch die großartige Neuinszenierung mit Rob Morton Fowler als Frank und Matthew McKenna als Riff Raff (um nur zwei der hevorragenden Darsteller zu nennen) durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Und in den Münchener Museumslichtspielen gehört der Film seit Jahren zum festen Spielplan. Außerdem gab’s in diesem Jahr mehrere Aufführungen des Films in Open-Air-Festivals. Hoffentlich nicht nur wegen der Musical-Tour. Einmal im Jahr Rocky Horror muss sein. Und jetzt viel Spaß bei der Show! Und bitte ohne Jeans und Karohemd! Don’t dream it – BE it!

Das TV-Drama

by nitramred on August 30, 2011

TV DramaNa, wer hat gestern noch das “große Sommer-TV-Experiment” im Ersten gesehen? Wovon ich rede? Von “Dreileben” natürlich, dem 270-Minuten-Event in der ARD. Drei Regisseure, drei Filme, ein fiktiver thüringischer Ort, der dem Ganzen den Namen verleiht. Kunstvoll ineinander verschachtelt, große Darsteller, lange Kameraeinstellungen. Rund um den Ausbruch des vermeintlichen Mörders Molesch (Stefan Kurt) aus dem Strafvollzug bewegen, verlieben, misstrauen und enttäuschen sich weitere Figuren, sie laufen sich über den Weg und erleben doch ihre ganz eigenen Geschichten. Sehr intensives Fernsehen. Muss man nicht mögen, dauert furchtbar lange, hört unglaublich spät auf wenn man heute arbeiten musste, hat man vermutlich eh’ nur maximal die ersten beiden Filme gesehen. Geschenkt. Die Feuilletons loben dieses mutige Programm (ZEIT, Spiegel), fürchten aber, dass “Dreileben”, angesichts von Regional-Krimi-Offensive am Vorabend und Talkshow-Marathon an fast allen Tagen der Woche, nicht mehr als das Feigenblatt der Hochkultur sein soll. Der Gedanke ist nicht abwegig. Auftrag erfüllt, war ja auch anstrengend genug, aber keine Sorge: Jetzt gibt’s erst mal wieder ordentlich Bundesliga und Gesprächstherapie. Worüber geredet wird, ist auch egal, Hauptsache ist, dass Jauch und Plasberg moderieren. Wird schon. Überhaupt dieser Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: Schwierige Sache das laut Rundfunkstaatsvertrag:

§ 11 Auftrag

(1) Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben in ihren Angeboten einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sie sollen hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern. Ihre Angebote haben der Bildung, Information, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Sie haben Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten. Auch Unterhaltung soll einem öffentlich-rechtlichen Angebotsprofil entsprechen.

(2) Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Klingt ja ganz gut. Und trotzdem wundere ich mich, warum eine der wenigen Sendungen, die sich mit Literatur beschäftigen und nicht dröge oder besserwisserisch daher kommen (ich spreche natürlich von “Druckfrisch” mit dem großartigen Denis Scheck), in der Nacht zum Montag um 0:05 Uhr laufen muss. Weil man bis dahin ja noch was lesen kann? Weil bei fast sechs Stunden Sportberichterstattung von der Leichtathlektik-WM eine halbe Stunde Bücherschau einfach nicht mehr ins Programm gepasst hat? Klar kann mir Wolfgang Herres bestimmt glaubhaft vorrechnen, dass das Informationsangebot im Ersten ausgeweitet wurde. Die Frage ist nur, wie attraktiv macht man es dem Zuschauer, dieses auch anzuschauen? Ich kann mich in letzter Zeit an keinen derart aufwändig gestalteten Trailer für “Druckfrisch” oder “TTT” erinnern, wie er für ein Sportgroßereignis in HD über die Bildschirme flimmert. Mir geht’s noch nicht mal darum, dass ARD und ZDF keine Fitness-Events mehr übertragen sollen dürfen. Gerne, von mir aus. Aber bitte nicht auf Kosten eines Programms, dass laut ihres Auftrags von “insbesonderem” Wert ist.

Zurück zu Feigenblättern wie “Dreileben”. Davon gibt’s ein paar, “KKD” gehört dazu oder auch “Im Angesicht des Verbrechens“. Diese Monumentalserie von Dominik Graf lief letztes Jahr im Frühjahr auf ARTE und später dann auch in der ARD. Im Gegensatz zum Prinzip der Serie sendete ARTE immer zwei Doppelfolgen am Stück über eine Woche verteilt, die ARD im Herbst desselben Jahres verfrachtete die letzte Folge auf einen dermaßen späten Sendeplatz, dass den Ausgang der Geschichte vermutlich nur sehr wenige treue Zuschauer erlebt haben dürften. Aber die haben sich vermutlich eh’ die DVD gekauft. Ein Phänomen, dass ich auch bei mir selbst verstärkt feststelle: Warum sich mit der schlechten deutschen Synchronisation, absurden Sendeterminen und eventuell auch noch mit Werbung und kaputten Abspännen abgeben? Klar, GEZ hat man gezahlt, aber für das schöne Seherlebnis zahlt man doch gern noch mal. Zumal die suggerierte (und faktisch mögliche) Freiheit, Inhalte in der jeweiligen Mediathek “nachzusehen” auch gute Planung voraussetzt. Im Fall von “Im Angesicht des Verbrechens” und jetzt auch bei “Dreileben” wird es ganz schön schwierig, innerhalb der 7-Tages-Frist so großangelegt Produktionen zu schauen. Denn selbst wenn man es schafft, innerhalb der einen verbleibenden Woche Zeit zu finden, um das Verpasste anzuschauen, muss man – je nach Altersfreigabe – auch mal bis 20 Uhr oder gar 23 Uhr warten, bis im Internet der Inhalt freigeschaltet wird. Absurd. Hätte ich das ganze auf Festplattenrekorder aufgenommen, wäre ich weit zeitautonomer als bei der gebührenfinanzierten Mediathek.

Es ist schon schade, wenn man an einem Abend wie gestern sieht, was gutes Fernsehen sein kann und dann wieder zurück in die Realität von Telenovelas, Talkshows und der zwanzigsten Spielanalyse kommt. Ich will einfach nicht glauben, was Herr Herres im Spiegel-Online-Interview sagt:

Nach einer harten Arbeitswoche ist das Bedürfnis nach Entspannung am größten. Unterhaltung ist auch ein Grundrecht der Menschen, das bekommen sie bei uns am Freitag zur Primetime.

Wochenende ist gleich Hirn ausschalten? Hoffentlich nicht. Verrückte Idee: Manche Leute möchten sich vielleicht auch in ihrer Freizeit mit interessanten Fragestellungen und intellektuellen Herausforderungen befassen. Warum kann die Befriedigung von Wissensdurst nicht auch Unterhaltung sein? Sind Kultur und Bildung das Gegenteil von Entspannung? Wenn man sich den Freitag Abend auf den anderen Sendern anschaut, kann man Wolfgang Herres noch nicht mal einen Vorwurf machen. Aber die anderen haben ja auch keinen Auftrag.

Alle haben sich lieb: Sommer in Orange

by nitramred on August 15, 2011

Sommer in Orange (Quelle: Majestic)

Sommer in Orange (Quelle: Majestic)

Wie schön wäre es, wenn Marcus H. Rosenmüller diesen Sommer inszeniert hätte. Dann wären Juli und August vielleicht genauso bunt, warm und zeitlos wie der “Sommer in Orange” in seinem neuesten Film, der ein Heimatfilm im besten und edelsten Sinn des Wortes ist. Wie schon in seinem ersten Kinofilm “Wer früher stirbt, ist länger tot” schaut Rosenmüller auch in seinem neuen Streifen durch die Augen eines Kindes auf die (bayerische) Welt.

In diesem Fall ist es die zwölf Jahre alte Lili (Amber Bongard). Die lebt 1980 mit ihrem Bruder (Béla Baumann) und ihrer Mutter (Petra Schmidt-Schaller) in einer Berliner Sannyasin-Kommune, die sich den Idealen ihres indischen Gurus Bhagwan verschrieben haben. Spiritualität, Meditation und freie Liebe prägen das Leben der Kommunarden. Als Siddharta (Georg Friedrich) einen Bauernhof im bayerischen Dorf Talbichl erbt, beschließt die WG, Sack & Pack in Käfer und VW-Bus zu laden und im Süden der Republik ein Therapiezentrum zu gründen.

Noch ist die Sannyani-Welt rosarot und orange: Amrita, Fabian, Lili (Quelle: Majestic)

Noch ist die Sannyani-Welt rosarot und orange: Amrita, Fabian, Lili (Quelle: Majestic)

Angekommen müssen die Blumenkinder jedoch feststellen, dass ihre entspannte, unkonventionelle und freie Lebensweise nicht so recht in das Bild ihrer neuen Nachbarn passen: Freie Liebe, Schreitherapien während des Gottesdienstes und Nackttänze der stets in Orangetönen gekleideten Neu-Bayern stoßen auf wenig Begeisterung. Das muss auch Lili erfahren, die mit der von Katholizismus und Vereinsleben durchwirkten Kindheit ihrer neuen Klassenkameraden nicht viel anfangen kann. Freundschaften, das merkt sie schnell, wird sie hier als Hippiekind nicht so leicht schließen. Allenfalls der Bürgermeistersohn Max ist fasziniert von seiner neuen Mitschülerin. Ihre Mutter Amrita ist Lili in diesem Gefühlschaos keine Hilfe, zu sehr ist sie mit ihrer eigenen Suche nach dem Sinn des Lebens beschäftigt und träumt vom Leben mit Bhagwans Emissär Prem Bramana (Thomas Loibl) im neuen Ashram in Oregon. Und auch die restlichen WG-Mitglieder, glänzend besetzt mit SchauspielerInnen wie Oliver Korittke oder Brigitte Hobmaier, haben mit Meditieren, Liebeskarussell und der Frage, ob man nun als guter Sannyasin beim Metzger einkaufen darf oder nicht, alle Hände voll zu tun. Einzig die Frau des Bürgermeisters (Bettina Mittendorfer) nimmt sich Lili und ihrer Sorgen an, die um jeden Preis “dazugehören” will und dabei auch vor Tracht und Musikkapelle nicht zurück schreckt.

So nicht! Der Bürgermeister stoppt den Bau des Therapiezentrums (Quelle: Majestic)

So nicht! Der Bürgermeister stoppt den Bau des Therapiezentrums (Quelle: Majestic)

Bis zum großen Showdown beim Dorffest, der anschließenden Razzia des Bauernhofs und der finalen Entscheidung zwischen Ashram und Familie zeichnet Rosenmüllers Film ein in warme Sommertöne getauchtes Bild der Hippiebewegung und tänzelt leichtfüßig auf dem schmalen Grat zwischen Komödie und Posse. Drehbuchautorin Ursula Gruber und Regisseur Rosenmüller geben ihre Figuren und deren Ideale aber nie der Lächerlichkeit preis, wohl aber dem Spaß der Zuschauer. So naiv-kindlich die Kommunarden, so bierenst und traditionsbewusst die Dorfbewohner auch dargestellt werden, stets spürt man eine große Sympathie für jede der beiden “Seiten” und ihre Schrulligkeiten. Dazu kommt ein glänzend spielendes Ensemble, vor allem Amber Bongard als Lili hat mich begeistert mit ihrer perfekten Darbietung jedweder Emotion, die in Lili vorgeht. Ohne Zweifel eine tolle (nicht mehr ganz so neue) Neuentdeckung im deutschen Film.

Wenn der Film am Donnerstag offiziell anläuft, wünsche ich ihm mindestens eine Million Zuschauer. Zeigt er doch mal wieder, dass die schönsten Geschichten trotz ernster Themen wie Erwachsenwerden und Familie leicht und mit einem Augenzwinkern auf Zelluloid gebannt werden können. Und Marcus H. Rosenmüller schafft dies mit seinem Sommermärchen spielend.

Sherlock, Staffel 1: Das Spiel, Mrs. Hudson, hat begonnen!

by nitramred on July 31, 2011

Sherlock Holmes und Dr. John Watson (Benedict Cumberbatch, Martin Freeman) (Copyright: Hartswood Films)

Sherlock Holmes und Dr. John Watson (Benedict Cumberbatch, Martin Freeman)(Copyright: Hartswood Films)

Also noch eine Sherlock-Holmes-Neuverfilmng. Eine moderne dazu. Hatten wir das nicht erst? Diesmal also als Miniserie von der BBC, drei Folgen, jeweils neunzig Minuten lang und mittlerweile auch im Ersten Deutschen Fernsehen zu sehen. Das Setting ist das London des neuen Jahrtausends. Also gut, erste Staffel, erste Folge, deutsche Erstaustrahlung am vergangenen Sonntagabend. Los geht’s.

John Watson, Militärarzt und Kriegsveteran, ist zurück aus einem Einsatz in Afghanistan und auf der Suche nach einer billigen Bleibe in London. Die Mieten sind hoch, zumal in der City. Er trifft einen alten Studienkollegen, der ihn mit einem gewissen Sherlock Holmes bekannt macht, der das gleiche Problem hat. Was läge näher, als gemeinsam eine Wohngemeinschaft zu gründen, eben in der nach 10 Downing Street wohl bekanntesten Londoner Adresse: 221B Baker Street. “Moment!”, wird da der selbst ernannte Gralshüter der britischen Spannungsliteratur ausrufen. “Afghanistan? Kriegsveteran? Hohe Mieten in London? Haben diese Schreiberlinge vom Fernsehen denn gar keinen Respekt vor dem Werk Sir Arthur Conan Doyles?” Und man muss antworten: “Doch! Sehr großen sogar.” Denn die ersten Minuten von “Ein Fall von Pink” (A Study in Pink) stehen ebenso beschrieben im ersten Buch über den Meisterdetektiv. Auch in “Eine Studie in Scharlachrot” (A Study in Scarlet) kehrt Dr. Watson verwundet heim aus Afghanistan, macht die Bekanntschaft von Mr. Holmes bei der Suche nach einer günstigen Unterkunft und auch hier verblüfft der geniale Beobachter Holmes seinen neuen Mitwbewohner in spe mit detaillierten Kenntnissen über dessen Person. Auch Mrs. Hudson und Detective Inspector Lestrade sind im London des Jahres 2010 angekommen und auch hier fungiert Sherlock als Consulting Detective für die stets überforderten Gesetzeshüter vom Yard. Doch ist es nicht der mit Pfeife und Karomütze ausgestattete Kriminologe des viktorianischen Britanniens, der hier zusammen mit seinem treuen Begleiter Watson mit der Kutsche übers Kopfsteinpflaster zum Tatort holpert. Benedict Cumberbatch gibt einen Holmes in den Dreißigern, stets elegant gekleidet in Anzug und talliertem Hemd und wirrem Haar, Martin Freeman den bodenständigen Militärarzt im Wollpullover, der in der ersten Folge bis auf einen entscheidenden Moment am Ende des Films wenig mehr sein darf als Stellvertreter des Zuschauers und staunend neben dem großen Meister steht. Dennoch stimmt die Chemie zwischen den beiden, man merkt: hier haben sich zwei gefunden, die noch viel erleben werden.

Doch wie steht’s um das, was jeden Sherlock-Holmes-Krimi zuvorderst auszeichnen sollte: den Fall und die brillante Kombinationsgabe von Holmes bei der Lösung desselben? Hier kann Entwarnung gegeben werden. Auch im Zeitlater von Internet und jederzeit verfügbarer Informationen via Smartphone kann ein Sherlock Holmes noch seine Mitmenschen und sein Publikum verblüffen. Eben weil er auch diese moderne Technik benutzt um seine Hypothesen zu bestätigen, schneller als es sein 1887er-Pendant je hätte tun können. Und das ist die eigentliche Leistung dieser Neuinterpretation des klassischen Stoffs. Auf die Fragen, wie ein moderner Holmes wohl heute ermitteln würde, ob nicht dank World Wide Web und Vorratsdatenspeicherung, DNA-Analyse und Überwachungskameras nicht jeder Hobbyschnüffler ein besserer Detektiv als Conan Doyles Kunstfigur wäre, gibt “Sherlock” eine deutliche Antwort. Weil Sehen nicht Kombinieren ist, dazu braucht es immer noch den schärftsen Geist im United Kingdom. Ohne Punkt und Komma schleudert Sherlock seine Beboachtungen und Schlussfolgerungen den Umstehenden entgegen, überpfüft nebenbei noch schnell das Wetter in England während der letzen drei Stunden und sucht eigentlich schon nach einem verschwundenen Koffer. Dabei wirbelt die Kamera um Mr. Holmes, ins Bild einglendete Textfragmente machen deutlich, was er gerade sieht, wie er falsche Lösungsmöglichkeiten verwirft und die übrig gebliebenen Bausteine zu einem Theorieturm zusammensetzt. Eine grandiose Bildsprache, die sich allerdings nie auf die bis zur Unterkühlung seelenlose Videoclip-Ästhetik von Guy Ritchies Sherlock-Holmes-Karikatur herablässt. Cumberbatch verleiht seinem Sherlock die richtige Mischung aus Wahnsinn und Genialität, die auch die ersten Leser der gedruckten Geschichte beeindruckt haben muss. Das ist er wirklich, der Sherlock für eine neue Zeit! Gemixt mit großartigen Dialogen voller intelligentem Wortwitz und einem mysteriösen Fall um vier vermeintliche Selbstmorde nach dem selben Muster ergeben diese Zutaten einen der besten Fersehabende seit langem.

Heute läuft in der ARD die zweite Folge der ersten Staffel, nächste Woche folgt die dritte. Wie immer gilt: Synchronisationen sind Mist, das Original gibt’s bereits bei Amazon UK (DVD / Blue-ray) und bald auch bei Amazon D (DVD / Blue-ray), die einzelnen Folgen nach der deutschen Ausstrahlung auch in beiden Sprachversionen im iTunes Store (DE / EN).

Reiselektüre: Schloß Gripsholm

by nitramred on July 25, 2011

Wo wir gerade über Reiseführern sprechen: Wenn’s denn schon ein Buch sein muss, warum nicht mal Literatur statt 10-Punkte-Guide? Verbindet das angenehme mit dem nützlichen und spart Platz im Koffer. Für Schweden drängt sich da ein Werk ganz besonders auf: Kurt Tucholskys “Schloß Gripsholm”. Zugegeben, viel über das Schloss und den Ort Mariefred erfährt man nicht, dafür versetzt einen das Buch son wunderbar in Urlaubsstimmung und Schwedenbegeisterung, dass man sofort die Koffer packen möchte.

Worum geht’s? In einer semi-autobiographischen Erzählung webt Tucholsky aus den Eindrücken und Erlebenissen seines Urlaubs in Schweden mit Lisa Matthias “Eine Sommergeschichte”, so luftig leicht und poetisch schön, dass man beim Lesen fast selbst ein bisschen zu schweben beginnt. In der Erzählung bricht der Ich-Erzähler Kurt zusammen mit Freundin Lydia – die er aber stets als “die Prinzessin” anspricht – zu fünf Wochen Sommerfrische nach Schweden auf. Auf der Suche nach eine Bleibe für diese Zeit landen die beiden im Schloss Gripsholm und mieten sich dort in einem Anbau ein. Fügt man noch hinzu, dass beide während ihres Aufenthalts erst Besuch von Kurts Freund Karlchen und später von Lydias Freundin Billie bekommen, hat man eigentlich schon fast die ganze Haupthandlung erzählt. Ein Nebenstrang (in dessen Kapiteln die sich die Erzählperspektive zu der des allwissenden Erzählers erhebt) schildert das Schicksal eines kleinen Mädchens, dass in einem Kinderheim in der Nähe des Schlosses den Sommer verbringt und wie die anderen Kindern auch unter der tyrannischen Direktorin des Heims leidet. Kurt und die Prinzessin machen die Bekanntschaft des Mädchens und setzen alles daran, zusammen mit der fernen Mutter, den “kleinen Gegenstand” aus der Gewalt der Heimleiterin zu befreien. In diesen dunkleren Passagen malt Tucholsky bereits die Grausamkeiten des NS-Regimes an die Wand, mit blindem Machtstreben und Grausmkeit gegenüber allem Menschlichen. Im Buch geht alles gut aus, die Jahre nach der Veröffentlichung von “Schloß Gripsholm” lassen Tucholskys Vorahnung dem großen Ganzen gegenüber dann aber böse Realität werden.

Doch dreht sich Geschichte des Buches vornhemlich um die stillstehende Zeit im schwedischen Sommer, die endlosen Tage zwischen See, Wiesen und Himmel und die Liebe zwischen Kurt und Lydia. Das ist keinesfalls kitschig und auch nicht blauäugig. Kurt und die Prinzessin schauen blitzgescheit und mit Menschlichkeit auf die Welt, werfen sich geschliffene Dialoge mit teils plattdeutschem Vokabular und herrlichen Sentenzen um die Ohren und verbreiten eine Lebensfreude, die ansteckend ist. Und grenzen sich gerade dadurch von den Vertretern der heraufziehenden “neuen Zeit”, verkörpert durch die Heimdirektorin, ab. Jedes Wort in diesem Buch ist geschliffen und poliert ohne artifiziell zu wirken. Tucholsky blickt in seinen kurzen, treffenden Beschreibungen von Orten, Menschen und den Gesprächen der Personen ironisch, aber nie verletzend, leicht distanziert von der Schwere der Welt, aber nicht überheblich auf das Geschehen und legt in seinen Figuren eine tiefe Menschlichkeit offen. Das, so der Tenor des Buches, ist es, was den Menschen ausmacht. Anstand und Mitgefühl. Das alles findet man in diesem kleinen, unbeschwerten Buch. Und wer den Sommer vermisst angesichts des tristen Wetters, findet ihn in darin auch.

Mein Begleiter in Schweden war die schöne Sonderausgabe aus dem S. Fischer Verlag, durchgelesen zu einem Großteil im Zug von Malmö nach Götbeorg. Auf der Fahrt musste ich nur den Kopf heben und sah draußen die Welt aus dem Buch spazieren fahren. Und musste mehr als einmal schmunzeln angesichts der großartigen Sprache auf den Seiten.

Eine Warnung noch: Der Film “Gripsholm” mit Ulrich Noethen und Heike Makatsch macht viel von der oben beschriebenen Stimmung und Leichtigkeit der Buchvorlage kaputt. Zu sehr vermischt er Tucholskys letzte Lebensjahre und die Flucht ins schwedische Exil mit der Handlung des Buches, schüttet Gift über die Freundschaft zu Karlchen und kann sich nie so recht entscheiden, ob er Zeitdokument oder Buchinterpretation sein möchte. Wie leider so oft gilt: Lieber lesen als schauen.

Reisekartenspiel: Anywhere – A Travel Guide

by nitramred on July 23, 2011

Anywhere A Travel Guide 3

Der Reisende von heute ist gut informiert über sein Urlaubsziel. Hat er sich nämlich zuhause bereits alles angelesen. Wo’s die besten Restaurants gibt, die besten Aussichtspunkte und – ganz wichtig! – die spannendsten Geheimtipps. Kein Reiseführer mehr ohne Geheimtipps. Ob hippe Szenekneipe, uriges Lokal oder aufstrebendes Kunstatelier: Der Taschenbuchbegleiter hat zu jeder Kategorie vermeintliche Insider-Informationen parat zu haben und ein bisschen ist man beim Lesen dieser Tipps auch stolz auf sich selbst, dass man dieses in tausendfacher Auflage gedruckte Top-Secret-Folio vermutlich als einziger Besucher des Urlaubsdomizils gekauft und gelesen haben wird, um dann stolz daheim den Lieben von der selbst unter Einheimischen kaum bekannten Entdeckung berichten zu können. So funktioniert Reisen heutzutage: Man schlägt im Marco-Polo-Reiseführer nach, was man unbedingt gesehen haben und wo man unbedingt gewesen sein muss. Und dann geht man halt dahin. So wie all diejenigen, die dasselbe in der Dumont-Urlaubsanleitung gelesen haben. Oder im Lonely-Planet-Wälzer. Auch ich bekenne mich schuldig, Urlaube mithilfe von Reiseführern vorab verplant zu haben. Montag Ruinen, Dienstag Museum, Donnerstag Kunstladen (aber erst ab 14 Uhr), davor schwimmen am “schönsten Kieselstrand der Insel”.

Anywhere A Travel Guide 1

Doch Rettung naht. Hatte ich auf meinen letzten Reisen das Touristenbuch immer nur halbherzig dabei, habe ich nun in Schweden im Shop des Stockholmer Fotografiska-Museums den Grund gefunden, es in Zukunft gänzlich zuhause lassen zu können. Ein Päckchen mit 60 Karten, 10 cm breit, 7 cm hoch, himbeerrot und marineblau bedruckt. Die Idee hinter diesem Kartenspiel: Man ist in einer fremden Stadt, zieht wahllos eine Karte aus dem Stapel und befolgt die (englische) Anweisung darauf. Und schaut, was passiert. Beispiel gefällig? “Kauf eine Zeitung. Finde eine schönen Satz. Wenn Du nicht weißt, was er bedeutet, frag’ jemanden.” Oder: “Frag’ die nächste Person, die Du triffst, wo ihre/seine Lieblingsstraße ist. Geh’ dorthin.” Oder: “Finde eine Schlange und stell’ Dich an, bis zu zu deren Ende gelangst. Erforsche den Grund dieser Schlange.” Oder. Oder. Oder. Sechzig Ideen, Gedanken und verrückte Einfälle warten darauf, ausprobiert zu werden. Manche Garten führen einen kruez & quer durch die Straßen der Stadt, andere lassen einen fremde Leute treffen und wieder andere schaffen Erinnerungen an diesen neuen Ort für einen selbst oder Freunde daheim. Allein beim Durchblättern der Karten bekommt man Lust, ohne Plan und Ziel den höchsten Ort der Stadt zu erreichen oder herauszufinden, wohin einen der nächste Bus bringt.

Hinter dieser fantastischen Idee steckt Magda Lipka Falck, Absolventin der Stockholmer Konstfack Hochschule für Kunst und Design. Das Projekt “Anywhere – A Travel Guide” war 2010 ihr Abschlussprojekt im Masterstudiengang Storytelling. Ich habe Magda geschrieben und sie gefragt, wie man denn außerhalb Schwedens an das Kartenset kommen kann. Um es positiv zu formulieren: Schweden ist immer eine Reise wert. Soll heißen: Mit Webshops sieht’s schwierig aus. Das Fotografiska bietet neben dem angesprochenen Museumsladen auch einen (schwedischen) Webshop an. Mutige dürfen klicken. Dort kostet der Travel Guide 85 Kronen, umgerechnet zirka 9 Euro. Ansonsten führen die Designtorget-Läden in Schweden das Set (allerdings zumindest in Stockholm fast zum doppelten Preis als der Fotografiska-Laden), im Ace Hotel in New York und vielleicht auch bei Colette in Paris soll’s das Set auch geben.

Nicht-Globetrotter finden im App Store auch noch eine iPhone-Version. Aber wer einmal die griffigen Karten mit der tollen Typgraphie, den poetischen Texten und dem schönen Farbdesign in den Händen gehalten hat, wird auf der nächsten Reise für dieses Kartenspiel immer eine Platz im Koffer frei halten. Macht auf jeden Fall mehr Spaß als Uno. Und Reisen wird endlich wieder zum Erlebnis.

[Update 25.7.2011] Kunstliebhabern sei auch Magadas aktuelles Projekt ans Herz gelegt: Exklusiv fürs Stockholmer Moderna Museet hat sie ein neues Kartenset entwicklet: “Anywhere – An Art Guide”. Zu haben im Webshop des Museums und auch unbesehen bestimmt wieder großartig.